Landwirtschaft in
Baden-Württemberg

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Landwirtschaft in
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Biotopschutz

Mehr als die Hälfte der Fläche der Bundesrepublik wird von Landwirten bewirtschaftet.
Der Landwirt trägt damit eine besondere Verantwortung zum Erhalt der i Artenvielfalt und anderen Belangen des Naturschutzes, denn die landwirtschaftlich genutzte Fläche ist Lebensraum für die meisten wildlebenden Pflanzen und Tiere.

Landschaftselemente

Durch die Entwicklung der Kulturlandschaft im Laufe der Jahrtausende wurden viele Biotope geschaffen. Der technische Fortschritt brachte jedoch die Umkehr dieses Trends mit sich, so dass Konflikte zwischen Naturschutz und Landwirtschaft entstanden.

Der Wert des Futters von artenreichen Grünlandbeständen, die auch ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche Insektenarten sind, ist für die heutige Tierhaltung häufig gering. Deshalb sind Förderprogramme (MEKA) notwendig, um traditionell bewirtschaftete Heuwiesen mit zahlreichen Kräuter zu erhalten.

Welche Möglichkeiten hat der Landwirt, um direkt zur Erhaltung und Förderung der Artenvielfalt beizutragen?

  • Bewirtschaftungseinschränkungen schaffen Lebensräume für wildwachsende Pflanzen und wildlebende Tiere (z. B. Igel, Hase), die in Hecken, Rainen oder Hohlwegen anzutreffen sind



Streuobstwiese

  • unbewirtschaftete oder extensiv bewirtschaftete Landschaftselemente wie Ackerrandstreifen, Bachränder etc. schaffen Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten.

Doch auch die zunehmende Flächenversiegelung durch Siedlungsbau beeinträchtigt die Artenvielfalt.

Vor diesem Hintergrund werden in Baden-Württemberg Konzepte wie die
i
Biotopvernetzung
, Flächenstillegung und Extensivierung entwickelt und Landwirten und Kommunen als Förderprogramme angeboten. Durch neue Konzepte in der Flurneuordnung werden Fehler, die in der Vergangenheit zum "Ausräumen" einer Landschaft führten, vermieden. Über neue Ansätze wird eine nachhaltige, d.h. ökologisch orientierte und gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreiche Landnutzung auf großen Flächen angestrebt.

Landschaft als Lebensraum für die heimische Tier- und Pflanzenwelt

Durch die Biotopvernetzung sollen in der intensiv genutzten Kulturlandschaft wieder Ausgleichsräume entstehen. Damit werden die Lebensbedingungen der heimischen Tier- und Pflanzenwelt verbessert. Ein Netz von Ausgleichsflächen entsteht durch die Verbindung von

  • naturnahen Landschaftselementen mit
  • extensiv bewirtschafteten Landflächen und
  • Naturschutzgebieten sowie flächenhaften Naturdenkmalen
    (Trittsteine für Tiere und Pflanzen).

Das Wichtigste bei der Biotopvernetzung sind die Verbindungen zwischen den noch vorhandenen oder neu geschaffenen naturnahen Flächen.

Flächenstillegung und Extensivierung

Mit der Flächenstillegung und der i Extensivierung der landwirtschaftlichen Produktion wurden seit 1988 den Landwirten in Baden-Württemberg zwei Programme angeboten, die zwei Zielrichtungen verfolgen:

•  den Abbau von Überschüssen, die durch EU-Marktordnungen verursacht wurden und

•  die Schaffung von neuen, wenig gestörten Lebensräumen für Pflanzen und Tiere.

Auf diese Weise können sich Regenerationsräume für i Ackerwildkräuter, Pionierpflanzen und wildlebende Tiere bilden.

Die Extensivierung der landwirtschaftlichen Produktion bedeutet für die Landwirte wirtschaftliche Einbußen. Durch staatliche Zuwendungen werden die wirtschaftlichen Nachteile gemindert.

Neuanlage einer Streuobstwiese Foto: Dr. Krebs

 



Streuobstwiese Foto: Dr. Krebs

Naturräume Baden-Württembergs: Schwäbische Alb

1. Einführung

Die aus Kalksteinen und Kalkmergeln des Weißen (Oberen) Jura aufgebaute Schwäbische Alb, die die jüngste und zugleich mächtigste Stufe der südwestdeutschen Schichtstufenlandschaft umfasst, gilt als einer der einheitlichsten Landschaftsräume Baden-Württembergs. Mit einer Länge von ca. 250 km und einer Breite bis zu 40 km zieht sie sich vom Randen bei Schaffhausen bis zum Westrand des Rieskraters bei Nördlingen.

Bild 1: Hochalb

Von den höchsten Erhebungen nahe des steilen, bis zu 400m hohen, als Albtrauf bezeichneten Nord- und Westrandes fällt die Hochfläche der Schwäbischen Alb allmählich nach Südosten zum Molassebecken des Alpenvorlandes ab. Im Südwesten, wo die Ablagerungen des Rheingletschers und die von der Abtragung der Alb stammenden Schotter, die sog. Juranagelfluh, sowie einzelne Hegau-Vulkanberge auf die Albhochfläche heraufreichen, ist die Grenze zum Alpenvorland undeutlich (aus BEINLICH 1995: 87 und BREUNIG 1995: 464).

2. Naturräume und Standortverhältnisse

Die naturräumlichen Haupteinheiten der Schwäbischen Alb:

  • Der Randen bildet den südlichsten, bereits im Einzugsgebiet von Hochrhein und Wutach gelegenen Teil der Schwäbischen Alb. Er liegt Großteils auf Schweizer Gebiet.
    Mit einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 8,5°C in den Tälern und 8,0°C auf den Höhen sowie Jahresniederschlägen von 900 – 1050 mm liegt er in einem klimatischen Gunstgebiet, so dass neben Grünland und Ackerbau auf den schweren Lehmböden auch eine geringe Obstnutzung vorhanden ist.
  • Die südlich des oberen Donautals gelegenen Hegaualb , in der die Jurakalke verbreitet von tertiärer Jungnagelfluh und risszeitlichem Moränenmaterial überdeckt sind, und die Basalt- und Tuffvorkommen aufweist. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt in den Tälern bis 600 m 7,0°C, auf den Höhenlagen 6,5°C, die durchschnittlichen Jahresniederschläge liegen bei 750 – 900 mm. Auf den kalkreichen Lehmböden des Westflügels wird v.a. Ackerbau betrieben, ebenso auf den tiefgründigen Böden der Plattenkalke. Hier finden sich artenreiche Ackerwildkrautgesellschaften der Ackerlichtnelken- und Adonisröschengruppe. Auf den flachgründigen Böden derMassenkalke im Ostteil sowie weiter südlich überwiegt die Waldnutzung.
  • Die Baaralb und das Obere  Donautal sind vielfach tief zertalt durch die Donau und ihre Nebenflüsse, und daher besonders felsreich. Die klimatischen Verhältnisse gleichen denen der Hegaualb. Die Böden in den Tälern sind lehmige Schwemmböden, die meist Wiesen tragen. Die Terrassen, die Hänge sowie die kalkreichen Schuttböden in den Trockentälern sind ackerbaulich genutzt. Hier finden sich artenreiche Ackerwildkrautgesellschaften der Ackerlichtnelken- und Adonisröschengruppe. Das enge obere Donautal mit seinen steilen Hängen und Schluchten wird von Wäldern dominiert.
  • Die H o h e  S c h w a b e n a l b weist die höchsten Erhebungen der Schwäbischen Alb (Lemberg 1015 m ü. NN) und ein besonders raues Klima mit Jahresdurchschnittstemperaturen von 5,5°C in den Talmulden und 6,0°C auf den Gipfeln und Hochflächen auf. Die Jahresniederschläge liegen bei 800 – 1000 mm.
    In der Nähe des Stufenrandes sind kalkreiche Lehme, in den Trockentälern tiefgründige, z.T. stark entkalkte Lehmböden verbreitet. Aufgrund der klimatischen Bedingungen herrscht hier Grünland vor. Auf den Ackerstandorten sind im Bereich der Ackerwildkrautflora die Ackerlichtnelken- und Adonisröschengruppe in guter Ausbildung vorhanden.
  • Die M i t t l e r e  K u p p e n a l b ist durch zahlreiche aus Massenkalken aufgebaute Kuppen gekennzeichnet. Das Klima variiert sehr stark von 8,0°C Jahresdurchschnittstemperatur in den Tälern des Albtraufs bis zu 5,5°C in den Tälern der Hochflächen. Auch der durchschnittliche Jahresniederschlag variiert von 770 mm am Südostrand bis zu 1100 mm in den höchsten Lagen. Der Raum ist stark durch die Verkarstung geprägt. Schichtstufen sind nur im äußersten Osten und Westen des Gebiets vorhanden, während die typische Kuppenlandschaft aus den ungeschichteten Kalken und Tonen (Unt. Weißjura) aufgebaut ist. Hier herrscht eine Mischnutzung von Acker, Grünland und Wald vor. Wo die Verkarstung geringer ist, sind ackerbaulicheVorranggebiete vorhanden. Auf den Ackerstandorten sind im Bereich der Ackerwildkrautflora die Ackerlichtnelken- und Adonisröschengruppe in mäßiger bis guter Ausbildung vorhanden.
    Die Haftdoldengruppe, die noch in den 50er Jahren zu finden war, ist allerdings gänzlich verschwunden, daher muß das Gebiet im Bereich der Ackerwildkräuter als Verarmungsgebiet gelten. Die Täler sind meist mit Grünland bedeckt, Wald ist auf die ungünstigen Standorte der Hänge und flachgründigen Kuppen begrenzt.
  • Die Mittlere  Flächenalb war während des Miozäns überflutet, wobei großflächig Juranagelfluh abgelagert wurde. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt hier 7,0°C mit 700 – 800 mm Jahresniederschlag.
    Es überwiegt Waldnutzung.
    Auf den Ackerflächen findet sich eine verarmte Ackerwildkrautflora der
    Knäuel-Basis-Gruppe.
  • Das Albuch und Härtsfeld stellt den niedrigeren Ostteil der Kuppenalb dar.
    Die Jahresdurchschnittstemperaturen variieren von 6,5°C auf den Hochflächen und 7,5°C in den Tälern. Die Jahresniederschläge liegen zwischen 750 mm am SO-Rand und 1050 mm in den höchsten Lagen. Der nördliche Teil ist über weite Flächen mit entkalkten tiefgründigen Feuersteinlehmen bedeckt, die zur Verheidung neigen und schwach reliefiert sind.
    Hier herrscht der Ackerbau vor, wobei die Ackerwildkrautflora auch um Bereich der Basisgruppen sehr verarmt ist. Weiter südlich, wo die Böden eher durch kalkreiche aber schwere Lehme geprägt sind, sind die Hochflächen in bewaldete Rücken aufgelöst.
    Auf den Ackerstandorten der steinigen Kalkscherbenäcker findet sich eine reiche Ackerwildkrautflora sowohl mit Ackerlichtnelken-, Adonisröschen- und Haftdoldengruppe und dem Vorkommen zahlreicher stark gefährdeter Arten, z.B. Kleiner Frauenspiegel und Rundblättriges Hasenohr, was auf die relativ traditionell orientierte Wirtschaftsweise in dem benachteiligten Gebiet zurückzuführen ist.
  • Die L o n e – F l ä c h e n a l b stellt den niedrigeren Ostteil der Flächenalb mit weichen Reliefformen dar. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 7,0°C auf den Hochflächen und 7,5°C in den Tälern, mit Niederschlägen von 670 – 750 mm.
    Die Böden, tiefgründige Verwitterungslehme, meist verbessert durch
    Lößeinwehungen aus den nahen Schotterfluren der Donau, sind gut für
    den Ackerbau geeignet. Es finden sich Ackerwildkräuter der Knäuel-Basis-Gruppe, der Haftdoldengruppe und der Ackerlichtnelken-Basis-Gruppe.
  • Die R i e s – A l b liegt überwiegend in Bayern und ist durch Auswurfmassen des Meteoriteneinschlags im Ries gekennzeichnet. Die Randhöhen bestehen aus zertrümmerten kalken, die nachträglich wieder verkittet sind. Sie wurden durch einige Täler in einzelne Waldkuppen aufgelöst (aus BREUNIG 1995: 464f und OSINSKI UND HEINL 1996: E421ff).
 

3. Historische Landnutzung

Die gesamte Hochfläche der Schwäbischen Alb ist seit der Jungsteinzeit kontinuierlich besiedelt. Sie ist dem Altsiedelland zuzurechnen. Die ältesten heutigen Siedlungen auf der Alb lassen sich auf 269 n.Chr. zurückdatieren. In der karolingischen Zeit wurde das Siedlungsland stark ausgedehnt, so z.B. auf die stark zertalten Hügelländer der Laubwaldbezirke. Die Bevölkerungszunahme zwang neben der Urbarmachung bisher nicht genutzter Flächen auch zur intensiveren Bodennutzung. So ist die Dreifelderwirtschaft für Südwestdeutschland bereits im 8. Jhdt. nachweisbar.
Die eigentlichen Waldgebirge und Landstriche mit Böden, die sich nicht auf natürliche Weise regenerieren blieben jedoch zu dieser Zeit noch unberührt.

Aufgrund der großen Pestepidemien im 14. Jhdt. kam es in dieser Zeit zu einem großen Bevölkerungsrückgang, der die „ spätmittelalterliche Wüstungsperiode ", ein starker Siedlungsschwund, genannt wird. In dieser Zeit kam es zu zahlreichen Wiederbewaldungen, die jedoch als Weidewälder und zur Holz- und Streuentnahme genutzt wurden. Ebenso kann davon ausgegangen werden, dass sich indiesem Zeitraum – neben der Hüteschafhaltung - die Wanderschäferei entwickelte, da seitens der Landherren versucht wurde, durch Schafbeweidung die während der Wüstungsperiode aufgegebenen landwirtschaftlichen Flächen wieder einer Nutzung zuzuführen. Nach dem Ende der herrschaftlichen Schäferei 1746 entwickelte sich die Transhumanz in Form der Wanderschäferei, wie wir sie heute noch vorfinden. Mit der progressiven Bevölkerungsentwicklung nach dem Dreißigjährigen Krieg und einem höheren Bedarf an landwirtschaftlichen Nutzflächen, sind zunehmend Auseinandersetzungen um die Nutzung der Schafweiden zu verzeichnen. Die Weiden wurden allmählich auf die ungünstigsten Standorte zurückgedrängt, gleichzeitig aber so intensiv wie möglich genutzt. Trotz zunehmender Nutzungskonflikte erlebte die Schafhaltung auf der Alb ihre Blütezeit in der ersten Hälfte des 19. Jhdts.. In der zweiten Hälfte des 19. Jhdts. verschlechterte sich die Lage der Schäferei jedoch zusehends, v.a. aufgrund der Einfuhr billiger Wolle aus Australien. Gleichzeitig nahm auch der Ackerbau – bis dahin vorherrschend auf derSchwäbischen Alb – ab, da mit der Eisenbahn Massengüter wie Getreide über größere Entfernungen transportiert werden konnten. Dies ließ innerhalb der Landwirtschaft eine zunehmende Marktorientierung aufkommen und brachte zugleich die Loslösung von vielen Zwängen der lokalen Selbstversorgung auch bei ungünstigen naturräumlichen Bedingungen. So wurde billigeres und besseres Getreide aus dem Ausland eingeführt. Es kam zu einer zunehmenden „ Vergrünlandung "der Alb, mitbedingt durch die Möglichkeit durch Mineraldüngung und Mechanisierung mehr auf weniger Fläche zuproduzieren. Im Zuge dessen hatten nun weniger Schäfer mehr bessere Flächen zur Verfügung. Sie zogen sich von vielen der durch lange Nutzung degradierten Schafweiden zurück, die dann aufgeforstet wurden oder der Sukzession anheim fielen. Im 20. Jhdt. wurde durch die Flurbereinigung eine weitere Änderung des Landschaftsbildes eingeleitet, da im Zuge der Flurbereinigung die im Laufe der Jahrhunderte durch die Ackernutzung entstandenen Steinriegel und Lesesteinhaufen , auf denen sich mit der zunehmenden Entlassung von Flächen aus der landwirtschaftlichen Produktion in unserem Jahrhundert zahlreiche Hecken und Gehölzstreifen entwickelten, entfernt wurden. Ebenso wurden jahrhundertealte Triebwege „weggeplant" oder verlegt. ( aus BEINLICH UND MANDERBACH 1995: 65ff und BEINLICH 1995: 97ff).

4. Landnutzung heute/ Biotoptypen

Auch heute werden große Teile der Schwäbischen Alb – je nach klimatischen Gunsträumen – ackerbaulich genutzt. Der Schwerpunkt der Grünlandnutzung liegt auf der Hohen Schwabenalb und der Mittleren Kuppenalb. Auf ersterer herrscht die Mischnutzung Wald/ Grünland oder Extensivgrünland/ Grünland vor, auf letzterer Mischnutzung Acker/ Grünland. Der Waldanteil liegt i.d.R. bei 50%. Die sehr kalkreichen und trockenen Böden führten durch die intensive Schafbeweidung der letzten Jahrhunderte zu einer Fläche von über 16 000 ha Kalkmagerrasen, die auf alle Naturräume der Schwäbischen Alb großflächig verteilt sind. Nur die Hegaualb weist in nur geringem Maße Kalkmagerrasen auf. Die häufigsten Biotoptypen auf der Schwäbischen Alb sind demzufolge Kalkmagerrasen und Hecken und Gebüsche , die sich auf den noch verbleibenden Steinriegeln und Lesesteinhaufen entwickelt haben. Höhlen, Steinriegel und Felswände weisen außerdem eine hohe Dichte auf. Von geringer Bedeutung sind dagegen Gewässer, Moore und weitere Biotoptypen feuchter bis nasser Standorte.
Das einzige weitgehend zerstörte Hochmoor befindet sich bei Schopfloch auf der mittleren Kuppenalb. Ein Flachmoor ist auf der Baaralb in der Nähe der Aitrach und weitere kleine in den Tälern der Randhöhen der Hohen Schwabenalb, sowie auf der Filsalb und dem Albuch.
Häufiger sind Nass- und Feuchtwiesen , v.a. in den Flusstälern der Donau, Schmiech und Blau u.a.. Auch Fließ- und Stillgewässer sind aufgrund der Verkarstung nur wenige vorhanden, von diesen ist v.a. die Obere Donau zu nennen. Als Stillgewässer finden sich v.a. typische Altgewässer wie Hülben und Dolinen. Intensivgrünland und Streuobstwiesen liegen v.a. am Albtrauf und sind auf der Hochfläche selten.

Randen

Hegau-alb

Baaralb und Oberes Donautal

Hohe Schwa-benalb

Mittlere Kuppen-alb

Mittlere Flächen-alb

Albuch und Härtsfeld

Lonetal-
Fläche-nalb

Ries-Alb

Kalk-mager-
rasen

Hecken, Gebüsche

Kalk-mager-
rasen

Kalk-mager-
rasen

Hecken, Gebüsche

Hecken, Gebüsche

Hecken, Gebüsche

Hecken, Gebüsche

Hecken, Ge-büsche

Wald-saum

Kalk-mager-
rasen

Hecken, Gebüsche

Hecken, Gebüsche

Kalk-mager-
rasen

Kalk-mager-
rasen

Kalk-mager-
rasen

Kalk-mager-
rasen

Kalk-mager-
rasen

mesophyt. Laub-misch-wälder

Waldsaum

Waldsaum

Waldsaum

wärme-liebende Wälder und Trocken-
gebüsche

wärme-liebende Wälder und Trocken-
gebüsche

Waldsaum

Weide

Weide

wärme-liebende Wälder und Trocken-
gebüsche

Wald-mantel

wärme-liebende Wälder  und Trocken-
gebüsche

wärme-liebende Wälder und Trocken-
gebüsche

Feld-gehölz

meso-phytische Laub-
misch-wälder

wärme-liebende Wälder und Trocken-
gebüsche

wärme-liebende Wälder und Trocken-
gebüsche

Gehölz-
streifen

Hecken, Gebüsche

wärme-liebende Wälder und Trocken-
gebüsche

Brachen

Felswand

Waldsaum

Waldsaum

Weide

Gehölz-
streifen

Pionier-
standort

Tab. 1: Die bei der Biotopkartierung 1981 – 1989 am häufigsten erfassten Biotoptypen auf der Schwäbischen Alb.

Nachdem die Schafhaltung auf der Schwäbischen Alb in den 60er Jahren des 20. Jhdts. ihren Tiefpunkt erreicht hatte, weiden heute wieder ca. 100.000 Schafe auf der Schwäbischen Alb. Die Wanderschäferei herrscht nach wie vor vor, obwohl sie durch immer knapper werdende Herbst- und Winterweiden, Straßen- und Wegebau etc. zunehmend erschwert wird.
Eine bedeutende Haltungsform ist auf der Schwäbischen Alb von jeher die Hütehaltung, bei der die Tiere im Sommer auf den Weiden gehütet werden und im Winter im Stall stehen. Diese Haltungsform ist jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen rentabel. Eine starke Zunahme ist einzig bei der Koppelschafhaltung zu verzeichnen, die jedoch aus landschaftspflegerischer Sicht kritisch zu sehen ist (aus BEINLICH 1995: 102ff, OSINSKI UND HEINL 1996: E423ff
und BREUNIG 1995: 465ff).

5. Potentielle natürliche Vegetation (PNV)/ Leitbild zur Landschaftsentwicklung

Die PNV auf der Schwäbischen Alb entspricht – wie in weiten Teilen Mitteleuropas ohne dem Einfluss der Megaherbivoren - einem Buchenwald (abgesehen von Sonderstandorten wie Felsen, Hochmoore, Flusstäler etc.), zu dem sich – bei Nutzungsaufgabe – zweifellos große Teile der Schwäbischen Alb mehr oder weniger schnell – in Abhängigkeit von Standort und umgebender Vegetation - entwickeln würden.

Leitbilder zur Landschaftsentwicklung:

Wo auf der Schwäbischen Alb bereits naturnahe Wälder bestehen, sollten diese erhalten werden und z.T. in Bannwälder überführt werden. Als zentrales, waldreiches Gebiet kommt der Schwäbischen Alb eine wichtige Rolle im Verbund der Waldlandschaften innerhalb Baden-Württembergs und im Anschluß nach Bayern zu. Daher ist es notwendig, künstliche Barrieren innerhalb der Schwäbischen Alb zu überbrücken und Verbindungen zu anderen Waldgebieten herzustellen (WALTER UND RECK 1996: E460).

Dort wo allerdings noch Kalkmagerrasen vorhanden sind, sollten dies unbedingt erhalten werden, und zwar möglichst durch Fortführung der Nutzung, die zu ihrer Entstehung geführt hat, d.h. in weiten Teilen der Schwäbischen Alb durch Wanderschäferei.
Wo dies nicht möglich ist, sollten die Flächen durch Beweidung, Mahd oder Mulchen
erhalten werden. Um den Aufwand für Pflegemaßnahmen zu reduzieren, könnte ein sog. „gesteuerter Mosaik-Zyklus" angestrebt werden (POSCHLOD, KIEFER UND FISCHER 1995: 222), bei dem immer einige Flächen für einige Jahre der Sukzession überlassen werden und dann wieder in Nutzung/ Pflege genommen werden, wogegen andere bis dann genutzte Fläche eine Zeit lang der Sukzession überlassen werden. Ebenso sollte extensiv genutztes Grünland erhalten bleiben.

Höhlen, Steinriegel, Felswände, Hülben und Dolinen sollten erhalten bleiben. Felsen sollten nicht aufgeforstet und möglichst von Bewaldung freigehalten werden.

Hecken und Feldgehölze sollten erhalten bleiben. Die Verbundsituation z.B. auf der Kuppen- und Flächenalb sollte durch Neuanlagen von Hecken und Feldgehölzen verbessert werden.

Der offene Charakter der Holzwiesen sollte erhalten bleiben. Keine Neuaufforstungen in diesen Bereichen.

Für Ackerwildkräuter liegt sowohl in der Baar- und Hegaualb als auch auf der Hohen Alb und denkalten Lagen der Mittleren Kuppenalb ein gutes Entwicklungsgebiet vor, d.h. durch gezielte Maßnahmen kann – aufgrund des im wesentlichen noch guten Samenpotentials im Boden – durch gezielte Extensivierungen wieder eine artenreiche Ackerwildkrautflora entwickelt werden, wobei Extensivierungen zur Regeneration der Ackerwildkrautflora nur auf Flächen, die dauerhaft als Acker genutzt werden, durchgeführt werden sollten. Maßnahmen hierzu sind:

  • Ackerrandstreifen/ biologischer Landbau als nutzungskonforme Maßnahmen
  • Extensivere Ackernutzung
  • Selbstbegrünte Rotationsbrachen
  • Verzicht auf Herbizide
  • Keine Verwendung physiologisch saurer Düngemittel
  • Geringere Bestandesdichte wenigstens im Randstreifen
  • Anbau wildkrautfreundlicher Kulturarten, z.B. Winterroggen

In den als Verarmungsgebiete geltenden Bereiche der mäßig kühleren Lagen der Mittleren Kuppenalb und der Flächenalb sollten schnellstens flächendeckend Extensivierungsmaßnahmen erfolgen, um den Artenrückgang aufzuhalten.

Die Weißjuraflächen im Albuch und Härtsfeld sind Spitzenregionen für den Ackerwildkräuterschutz, da sich hier aufgrund der noch relativ traditionell orientierten Wirtschaftsweise mit weiten Fruchtfolgen, geringen Schlaggrößen und wenig intensiver Dünger- und Herbizidanwendung eine artenreiche Ackerwildkrautflora erhalten konnte. Der Strukturwandel hin zu intensiverer Wirtschaftsweise muß hier gestoppt werden. Bei der Flächenauswahl zur Extensivierung sind die Weißjuraflächen gegenüber den verarmten Feuersteinlehmflächen zu bevorzugen (LFL 1994).

Die wenigen vorhandenen Fließgewässer auf der Alb sollten naturnah entwickelt werden.
Ihre Auen sollten sowohl unbeeinflusste Prozessflächen als auch Grünlandbiotope aufweisen. Das Schopflocher Hochmoor sowie vorhandene Niedermoore sollten erhalten werden.

7. Links

i Kalkmagerrasenprojekt Münsigen & Lautertal
i Münsingen - Gruorn, Landeskunde: Exkursion der Uni Tübingen 1999

 

Umsetzung von Biotop-
vernetzungskonzepten

Der Erfolg von Biotopvernetzungskonzepten hängt entscheidend vom Engagement und der Beteiligung der betroffenen Bürger ab. Insbesondere in der Phase der Umsetzung der Konzepte sind teilweise erhebliche Anstrengungen erforderlich, um die betroffenen Bewirtschafter über Sinn und Zweck der Biotopvernetzung und der in diesem Rahmen angestrebten Maßnahmen zu informieren, über Teilnahmemöglichkeiten zu beraten und zu motivieren. Die in der Biotopvernetzung zu Recht erhobene Forderung nach Standortsangepasstheit der Maßnahmen, die allgemeingültige Konzeptionen verbietet, bringt es andererseits mit sich, dass die von Planern im Auftrag erstellten Konzepte in der Regel eine Vielzahl spezifischer Informationen und fachlicher Aussagen enthalten, mit denen die Beteiligten konfrontiert werden. Vielfach ruft die Kompliziertheit der Sachlage bei diesen zunächst eine ablehnende Haltung hervor. Wie KAULE / ENDRUWEIT / WEINSCHENK (1994), RIESCH (1992) und ALLB BIBERACH (1997) teilweise eindrucksvoll aufzeigen, ist aber Erfolg oder Misserfolg eines Verfahrens oft geradedavon abhängig, wie diesen zwischenmenschlichen Rahmenbedingungen begegnet wird. Nur der enge vertrauensvolle Kontakt zu den betroffenen Bewirtschaftern schafft in der Regel die notwendige konstruktive Atmosphäre zur erfolgreichen Umsetzung der Biotopvernetzung. Damit knappe Fördermittel im Einzelfall nichtwirkungslos verpuffen, sondern Umsetzungserfolge erzielt werden können, muss der Bereich der Kommunikation und Kooperation im Verfahren der Biotopvernetzung deshalb zukünftig gestärkt werden. Nachfolgend in Kernaussagen zitierte Ergebnisse aus KAULE / ENDRUWEIT / WEINSCHENK (1994) zur Biotopvernetzungskonzeption Herbrechtingen machen dies deutlich: 

Im Rahmen eines Erprobungs- und Entwicklungsvorhabens im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit wurden für unterschiedliche Modellgebiete Wege erprobt, die Ausrichtung agrarischer Maßnahmen (darunter auch der Flächenextensivierung im Rahmen der Biotopvernetzung) auf Ziele des Umwelt- und Naturschutzes mittels landschaftsplanerischer Instrumente zu erreichen. Dazu zählte unter anderem die Gemeinde Herbrechtingen. 

Kuhherde
Wisenth

Bsp.: Verlauf des Verfahrens Herbrechtingen vor Beginn der
Untersuchung 

Die Biotopvernetzungskonzeption wurde durch den Landkreis Heidenheim 1989 im Rahmen eines Forschungsprojektes initiiert. Die Zielaussagen dieser als fachlich anspruchsvoll und dennoch pragmatisch beschriebenen Planung unterscheiden in: 

  • Maßnahmen zur Fortführung bisher schon extensiver Nutzungsweisen und
    Pflegemaßnahmen sowie 
  • Maßnahmen der Nutzungsextensivierung auf bisher intensiv genutzten Flächen mit hoher Empfindlichkeit in Bezug auf Arteninventar oder Grundwasserschutz. 

Zur Umsetzung der Planung wurde ein Arbeitskreis gegründet. Ziel des von den Planern organisierten Arbeitskreises war die parzellenscharfe Konkretisierung der Maßnahmen innerhalb der einzelnen Vertiefungsgebiete durch Kontaktaufnahme mit den Grundeigentümern und Klären von Fördermodalitäten. Dieser Arbeitskreis tagte zweimal, ohne wesentliche Fortschritte zu erreichen. Als die Planer erkannten, dass die Unterstützung des Konzeptes durch die Gemeinde gering war, zogen sie sich aus dem Projekt zurück. 

Im Rahmen der Untersuchung wurden für das Verfahren Herbrechtingen beispielhaft die Gründe des Scheiterns ermittelt und neue Wege zu seiner „Wiederbelebung“ erprobt.
Wie sich rasch zeigte, waren Probleme der Kommunikation, verbunden mit falschen Einschätzungen und emotionalen „Altlasten“ bei den verschiedenen Akteuren, die Hauptursache für das Scheitern des Verfahrens.

  • Die Befragung von Experten im März 1990 ergab, dass es der Biotopvernetzung Herbrechtingen in erster Linie an Unterstützung durch die Gemeinde mangelte ...
  • Im Verlauf eines Sondierungsgesprächs der Begleitforscher lehnte der Bürgermeister die Zuständigkeit der Gemeinde für die Umsetzung von Biotopvernetzungen ab...
  • Zudem überwog der Eindruck der Ablehnung und tiefen Verbitterung seitens der damals anwesenden Landwirte ...
  • Es wurde deutlich, dass die beiden Arbeitskreistermine nicht die erwünschte Klärung gebracht hatten und dass sowohl der Gemeinderat als auch die
    Landwirte nicht ausreichend über die Ziele der Biotopvernetzung informiert waren. 

Dazu zwei Aussagen von Beteiligten:

„Was fehlt, ist eine Öffentlichkeitsrunde, um die Biotopvernetzung dem Gemeinderat bekannt zu machen. Im Arbeitskreis wurde den Landwirten was vorgetragen, was wissenschaftlich und teilweise auf lateinisch begründet war; da werden die Bauern skeptisch und sind überfordert, sie fühlen sich nicht gleichwertig und nicht angehört“. (Mitglied der Gemeindeverwaltung).

„Nur sehr wenige Landwirte wissen, was geplant ist. Es kamen auch nur zwei Landwirte zum Arbeitskreis, denn der begann um 18 Uhr - eine unmögliche Zeit für die meisten von uns. Wenn man Landwirte einbinden will, muss man sie informieren, was, wie geplant ist und ob sie betroffen sind.“ (Ein Landwirt).

Ansätze zur Lösung der Probleme:

  • Kernpunkt der Problem- und Zielanalyse der Untersuchung war die Haltung der Gemeinde, die keine kommunale Zuständigkeit anerkannte und zahlreiche ungeklärte Zuständigkeiten zwischen beteiligten Behörden.
  • Um einen „Akzeptanzschub“ zu erreichen, wurden (im Rahmen der
    Untersuchung) eine Reihe von Gesprächen mit beteiligten Behördenvertretern geführt. Ein zwischenbehördlicher Arbeitskreis entstand: Der dabei entstandene Konsens war ein erster Schritt zur Wiederbelebung der Biotopvernetzung. Hierbei wurden Informationen verarbeitet, die für die gesamte Akzeptanzfrage seitens der Landwirte entscheidend waren:
  • Offenbar war ein großer Teil der Herbrechtinger Landwirte aufgrund einer sich über Jahre hinschleppenden Unternehmensflurbereinigung zum Autobahnbau sehr verbittert und im Hinblick auf zusätzliche Maßnahmen nicht ansprechbar.
  • Für von dieser Flurbereinigung nicht betroffene Landwirte auf einer Teilgemarkung konnte daraufhin eine eigenständige Umsetzungsstrategie entwickelt werden.
    Erst nach der Realisierung positiver Beispiele sollten dann Maßnahmen an dieLandwirte in den anderen Teilorten herangetragen werden.Die Vorgehensweiserichtete sich damit nach der emotionalen Vorbelastung der Landwirte und sprach eine weniger belastete Zielgruppe innerhalb der Landwirtschaft an.
  • Der Gemeinderat und der Bürgermeister waren der Meinung, dass vor allem die betroffenen Landwirte gegen die Umsetzung der Biotopvernetzung wären und wollten abwarten. 
  • Eine zwischenzeitlich angeregte Informationsfahrt des Herbrechtinger
    Gemeinderats in die (zu dieser Zeit ebenfalls in einer derartigen Untersuchung befindliche) Gemeinde Stephanskirchen bewirkte eine Wende in den Einstellungen der Gemeinderäte.
Weiterer Verlauf und Wirkung der erprobten Lösungsansätze

Nachdem die Gemeinde ihre Zuständigkeit für die Trägerschaft und
Koordination der Umsetzung der Biotopvernetzung anerkannt hatte,
war das erste wesentliche Projektziel erreicht. 

  • Insgesamt konzentrierten sich die weiteren Umsetzungsbemühungen
    gegenüber den Landwirten nun auf Information und Vermittlung und
    erzielten sichtbare Erfolge.
  • Als hilfreich erwies sich auch eine weitere Informationsfahrt nach
    Stephanskirchen, zu der diesmal Landwirte eingeladen wurden.
    Diese bot den Teilnehmenden die Möglichkeit, mit den bereits
    erfahreneren Stephanskirchener Landwirten persönlich zu sprechen.
  • Nach der Informationsfahrt wurden nochmals einzelbetriebliche Beratungsgespräche geführt, die innerhalb weniger Wochen die Umsetzung mehrerer Kilometer linearer Weg- und Ackerrandbiotope sowie auf etwa
    30 Hektar eine Extensivierung von Ackerland erlaubten. 
Notwendigkeit verbesserter Kommunikation und Kooperation

Kommunikation erfordert Aufwand an Zeit und Ressourcen. Wo die entsprechenden Mittel nicht verfügbar sind, erfolgt Kommunikation oft in der einfachsten Weise von oben nach unten. Missverständnisse und Meinungsverschiedenheiten sind auf diese Weise schwer auszuräumen und belasten den weiteren Fortgang des Verfahrens.

Der Bereich des Austauschs von Interessen und Meinungen soll deshalb in der Umsetzung der Biotopvernetzung zukünftig, neben der reinen Wissensvermittlung, größere Priorität erhalten. Auch die Art und Weise des Austauschs ist dabei entscheidend. So bietet die frühzeitige Einrichtung von Arbeitskreisen, möglicherweise bereits zur Vorbereitung des Verfahrens, gute Möglichkeiten des Informationsaustauschs und der Abstimmung für alle Beteiligten. Im gemeinsamen „Miteinander“ können Erwartungen, Probleme und Vorstellungen der einzelnen Beteiligten besprochen, aufeinander abgestimmt und konsensfähige Ziele formuliert werden.

Auch muss das Verhältnis Planung / Realisierung bei der Biotopvernetzung neu überdacht und abgestimmt werden. Wie die Untersuchung belegt, ist es gerade im landschaftsplanerischen Themenbereich nicht sinnvoll, eine strikte Trennung von Planung und Realisierung einzuhalten, wie dies oft geschieht, da landschaftsplanerischer Fachverstand in allen Projektphasen und nicht nur während der Projektierung im Vorfeld der Umsetzung notwendig ist“.
Angestrebt wird statt dessen eine stärkere Durchmischung von Planungs- und Umsetzungsphase unter intensiverer Mitwirkung/Austausch aller Beteiligter.

Die aufgezeigten Maßnahmen steigern die Umsetzungschancen der Biotopvernetzung, gleichzeitig wird einer Verhärtung der Fronten vorgebeugt, die ohne parallele Umsetzungs- und Beteiligungsaktivitäten oft die Folge ist.
Die beschriebenen Maßnahmen finden ihren Platz daher in einer entsprechend kommunikationsgeprägten Umsetzung der Biotopvernetzung selbst, aber auch im größeren Rahmen einer Biotopvernetzung als Teilziel einer Flurneuordnung bis hin zur Umsetzung als Bestandteil eines Lokalen Agenda- 21- Prozesses, in den die ganze Gemeinde eingebunden ist. 

Das Beispiel Herbrechtingen macht aber auch deutlich, welcher Bedarf gerade im Verfahren der Biotopvernetzung mit seinen komplexen, schwer darstellbaren Zusammenhängen im Bereich der Wissens- und Informationsvermittlung, der Kommunikation und des „Miteinanders“ im Umgang mit Verfahrensbeteiligten besteht. Dies gilt auch für praktische Maßnahmen zur Durchführung der Biotopvernetzung, wie z.B. Neupflanzungen, Anlage von Ackerrandstreifen, Biotopgestaltung u.a.. Auch in diesem Punkt sind die Beteiligten oft auf fachlicheUnterstützung angewiesen. Hier gilt es, zukünftig Akzente zu setzen, indem dieser Bereich des Verfahrens der Biotopvernetzung gestärkt und die erforderliche personelle und fachliche Unterstützung angeboten wird. In der Regel kann dies nicht alleine von der Verwaltung geleistet werden. Dazu sind zusätzliche Leistungen des jeweiligen Planers oder einer eigens dafür eingesetzten Person (Moderator) erforderlich, die zukünftig bei der Kostenkalkulation zu berücksichtigen sind.

Zur Umsetzung agrarstruktureller und ökologischer Erfordernisse sind bodenordnerische Maßnahmen oft hilfreich. Die Flurneuordnung bietet das rechtliche und organisatorische Instrument, Bodenordnung zum Zweck der Biotopvernetzung durchzuführen. In einem flächendeckenden, weiträumigen, von bestehenden Eigentumsgrenzen unabhängigen Gesamtkonzept bieten sich optimale Voraussetzungen für eine Umsetzung und langfristige Sicherung der Biotopvernetzungsmaßnahmen.

Schon in der Vergangenheit wurden in Flurneuordnungsverfahren für Maßnahmen zur Biotopvernetzung Mittel in erheblichem Umfang eingesetzt.

In vielen laufenden Verfahren werden Biotopvernetzungskonzepte vor und nach der Aufstellung des Wege- und Gewässerplanes erstellt und erfahren dadurch eine weitgehende Umsetzungsgarantie. Ziel ist jedoch, grundsätzlich in allen Flurneuordnungen ein Biotopvernetzungskonzept mit der Neugestaltungsplanung zu entwickeln. Ebenso könnte in Zukunft eine geplante Biotopvernetzung Anlass für ein Flurneuordnungsverfahren sein (teilweise geändert nach: 
ENTWURF EVALUIERUNG VON PROGRAMMEN NACH DER VERORDNUNG (EWG) NR. 2078/92 DES RATES VOM 30. JUNI 1992 FÜR UMWELTGERECHTE UND DEN NATÜRLICHEN LEBENSRAUM SCHÜTZENDE LANDWIRTSCHAFTLICHE PRODUKTIONSVERFAHREN IN BADEN WÜRTTEMBERG, TEIL II LANDSCHAFTSPFLEGERICHTLINIE (LPR) (VERTRAGSNATURSCHUTZ), 1992-1997 BERICHT, KOORDINIERUNG: B. KRAUß, LEL, LFU, STAND: 10.04.2000, 9:24).

 

Hecken und Feldholzinseln

 

1. Einleitung

Hecken sind lineare anthropogen bedingte, aus Strauchgehölzen, Stauden,
Gräsern und vereinzelt Bäumen aufgebaute Gehölzstrukturen (HAFFNER 2001).
Ihre Struktur entspricht im Idealfall zwei spiegelbildlich verdoppelten Waldrändern
(RÖSER 1988: 60). Zunächst dienten Hecken dem Menschen zur Abgrenzung der
eigenen Grundstücke („Hecke“ abgeleitet von althochdeutsch „Hag“ = Zaun) ,
zum Ausschluss des Weideviehs von den Äckern bzw. zum Einschluss des
Weideviehs auf bestimmten Parzellen. Des weiteren lieferten Hecken Brenn-
und Bauhholz, Beeren und Blätter. Insbesondere zur Versorgung mit Brennholz,
aber auch um die Hecken dicht zu halten, wurden diese in regelmäßigen
Abständen (8 – 15 Jahre) abschnittsweise „auf den Stock gesetzt“. Im 20.
Jahrhundert wurden Hecken dann auch als Wind- und Erosionsschutz zur
Ertragssteigerung zwischen Äckern gepflanzt (REIF 2002). So verleihen Hecken
heute noch manchen Landstrichen eine ganz eigene Prägung, wie z.B. die
Knicks in Schleswig-Holstein, das Monschauer Heckenland oder auch
(wie der Name schon sagt) das „Heckengäu“ in Baden-Württemberg.

Man unterscheidet zwischen spontanen (=nicht gepflanzten) Hecken in Erosionsrinnen,
entlang von Hohlwegen oder auf Lesesteinriegeln, und vom Menschen bewusst
angelegten Hecken aus o.g. Gründen (HAFFNER 2001).

Feldhecke

Niederhecken (< 2m) bestehen meist aus einem undurchdringlichen Gestrüpp stacheliger Arten wie Brombeeren und Rosen.

In Hochhecken (> 5m) treten zu den Strauch- auch Baumarten auf, die starken Rückschnitt tolerieren (z. B. Feldahorn, Hainbuche, Stieleiche, Esche)

Baumhecken sind weniger durch eine strukturreiche Strauchschicht gekennzeichnet.
Sie erhalten ihre spezifische Physiognomie durch linienhaft angeordnete Bäume, die mancherorts heckenartig beschnitten werden. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die Monschauer Heckenlandschaft der westlichen Nordeifel, wo solche alten, dem Windschutz dienenden Hecken in besonders kunstvoller Weise erhalten und durch eine regelmäßige Schur gepflegt werden (MÖSELER 2002).

Gebüsche sind flächige Strukturen im Offenland, gebildet von stockausschlagfähigen niederen Bäumen und Sträuchern (REIF 2002).

Feldholzinseln sind breiter als Hecken und im Grundriss unregelmäßig geformt.
Sie wachsen meist auf landwirtschaftlich schlecht nutzbaren Geländemissformen und liegen inselartig in der Flur verstreut. Ihre Kernzone ist häufig baumreicher als bei schmalen Hecken (MLR-10-87). Sie sind in der Regel kleiner als 0,3 ha („jeder Baum ist höchstens 30m vom Waldrand entfernt, daher kein Waldinnenklima“) (REIF 2002). Feldgehölze sind entstanden als

  • Rodungsrelikte ehemals großflächig verbreiteter;
  • Resultat von Wiederbewaldungsvorgängen , indem aus Gebüsch- oder
    Heckeninitialen nach Wegfall der Nutzung kleinere Baumbestände hervorgehen;
  • Pflanzung auf einzelnen kleineren Parzellen in Agrarlandschaften;
  • Durch Sukzession nach Aufgabe der Nutzung landwirtschaftlicher Flächen.
    (REIF UND ACHTZIGER 2000)

2. Bedeutung

Hecken und Feldholzinseln sind

Fasane im Schutz einer Hecke

  • Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten; TISCHLER (1948) fand in
    den Hainbuchenknicks Schleswig-Holsteins ca. 1500 Arten, ROTTLER UND
    KNEITZ (1977) fanden ca. 900 Arten in Hecken Süddeutschlands (beide in KAULE 1986).

  • Ausbreitungswege und Refugien für Waldrand- und Waldbewohner.

  • Wichtige Strukturelemente für die kleinräumige Vernetzung von naturnahen
    Waldbiotopen.

  • Windschutz.

  • Böschungssicherung und Erosionsschutz v.a. in geneigten Ackerlagen auf
    erosionsempfindlichen Lößböden.

  • Luftfilter

  • Strukturelemente in der Landschaft, die zur räumlichen Gliederung der Feldflur in der Landschaft und zur Belebung des Landschaftsbilds beitragen.

Viele dieser ökologischen Funktionen von Hecken sind auch ökonomisch bedeutsam:

    • Hecken bieten Rückzugs- und Überwinterungsmöglichkeiten für zahlreiche Tierarten, so auch für viele Schädlingsantagonisten und sind somit Voraussetzung für den Erhalt stabiler Populationen, die Schädlingskalamitäten im Ackerbau vorbeugen.
    • Durch das Zusammenwirken der durch eine Hecke veränderbaren Faktoren wie
      Windverhältnisse, Feuchte, Transpiration, CO2-Haushalt, Wurzelkonkurrenz,
      Beschattungswirkung und Erosionsschutz kommt es zu Ertragsveränderungen.
      So sind im Grünland und bei Sonderkulturen meist deutliche Ertragssteigerungen
      zu verzeichnen, wogegen es im Ackerbau in einzelnen Jahren zu Ertragsdepressionen kommen kann. So muss im unmittelbaren Heckenumfeld bedingt durch Schattenwirkung und Wasser- und Nährsalzentzug durch die Heckenpflanzen generell mit Ertragseinbußengerechnet werden. Bereits nach wenigen Metern steigt der Ertrag jedoch über den Freilandwert an, um dann sukzessive auf das Freilandniveau zurückzufallen
      (RÖSER 1988: 35 ff).

Abb. 1: Windschutzwirkung und landwirtschaftliche Ertragssteigerung durch Hecken
(aus MLR-10-87: 31)

    • Bienenweide (Bedeutung für Honigerzeugung sowie für Frucht- und
      Saatgewinnung im Obstbau, bei Raps, Klee und Luzerne).
    • Hege des jagdbaren Wildes, Verbissmöglichkeiten für Hasen,
      Kaninchen und Rehe.
    • Verbesserung des Wasserhaushalts durch Verminderung des
      Oberflächenabflusses und Förderung der Wasserspeicherung im Wurzelraum.
Verbreitungsschwerpunkte:

Feldgehölze: Alpenvorland, Schwäbische Alb, Obere Gäue, Oberrheinebene, Kraichgau, Neckarbecken, Bauland und Tauberland

Hecken, Gebüsche: Hochfläche der Schwäbischen Alb, Baar, Obere Gäue, Markgräfler Hügelland, Schwarzwald-Vorberge, Kraichgau, Bauland und Tauberland

Häufig vorkommende Pflanzenarten: Feldahorn (Acer campestre), Bergahorn (Acer pseudoplatanus) (F), Berberitze (Berberis vulgaris) (H), Hängebirke (Betula pendula) (F), Blutroter Hartriegel (Cornus sanguinea), Haselnuss (Corylus avellana) (H), Eingriffliger Weißdorn (Crataegus monogyna) (H), (Crataegus x macrocarpa) (H), Pfaffenhütchen (Euonymus europaea) (H), Esche (Fraxinus excelsior) (F), Apfel (Malus domestica) (F), Vogelkirsche (Prunus avium) (F), Zitterpappel (Populus tremula) ( F), Kreuzdorn(Rhamnus cathartica) (H), Schlehe (Prunus spinosa), Hundsrose (Rosa canina) (H), (Rosa corimbifera) (H), Weinrose (Rosa rubiginosa) (H), (Rosa tomentosa) (H), Traubeneiche (Quercus petraea) (F), Stieleiche (Quercus robur) (F), Silberweide
(Salix alba) (F), Ohrweide (Salix aurita) (H), Salweide (Salix caprea) (F), Grauweide
(Salix cinerea) (H), (Salix x rubens), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) (H), Winterlinde (Tilia cordata) (F), Sommerlinde (Tilia platyphyllos) (F), Feldulme (Ulmus minor) (H), Wolliger Schneeball (Viburnum lantana) (H), Gewöhnlicher Schneeball (Viburnum opulus) (H) (H – v.a. in Hecken und Gebüschen, F – v.a. in Feldgehölzen)

Häufig vorkommende Tierarten: Vögel (z.B. Neuntöter, Goldammer, Dorngrasmücke, Rebhuhn), Insekten, Säuger (z.B. Igel, Haselmaus, Mauswiesel), Insekten, Erdkröte

Biotopschutz nach §24a NatSchG: Hecken in der Feldflur sind ab einer Länge
von 20 m geschützt. Gebüsche sind unabhängig von ihrer Länge und Lage
geschützt, wenn es sich um Gebüsche trockenwarmer oder feuchter Standorte
oder um Uferweiden-Gebüsche handelt. Feldgehölze sind geschützt, wenn sie
mindestens 250 m² groß, aber kleiner als 0,5 ha oder schmäler als 50 m sind.

(HÖLL UND BREUNIG 1995: 263 ff)

3. Gefährdung



Abwechslungsreiche Kulturlandschaft: Wiesen, Äcker, Weiden, Feldgehölze,Wald

Feldgehölze, Hecken und Gebüsche fielen – aufgrund des Bedeutungsverlustes
ihrer ursprünglichen Funktionen - vielfach Rodungen im Rahmen von
Flurbereinigungsmaßnahmen zum Opfer. Heute sind sie v.a. durch intensive
landwirtschaftliche Nutzung, fehlende Bewirtschaftung, Müllablagerungen
und Einbringung naturraum- und standortfremder Gehölzarten gefährdet.
Durch die Biotopkartierung 1981 – 1989 wurden rund 44% aller kartierten
Feldgehölze, Hecken und Gebüsche, v.a. in landwirtschaftlich intensiv
genutzten Gebieten, als gefährdet eingestuft (HÖLL UND BREUNIG 1995: 263 ff).

Im Gegensatz dazu kam es zu einer Hecken- und Feldgehölz-Ausdehnung
auf Sozialbrache-Flächen (z.B. Schwarzwald, wo eine weitere Ausdehnung
eher unerwünscht ist) und im Zusammenhang mit Naturschutz-Aktivitäten
(Biotopverbund) (HAFFNER 2001).

4. Erhalt, Pflege und Neuanpflanzung

Bestandspflege (Dauerpflege):

Als vom Menschen begründete Vegetationsform benötigen Hecken zu deren
Erhalt eine regelmäßige Pflege, die verhindert, dass die Hecken zu hoch
aufwachsen und an der Basis zu stark auflichten – die Hecke muß verjüngt
werden. Je nach angestrebter Heckenausprägung (Nieder-, Hoch- oder Baumhecke) ist ein Pflegeziel festzulegen. Ökologisch gesehen ist es meist sinnvoll, „durchgewachsene“ Baumhecken in strukturreichere Hoch- oder Niederhecken umzuwandeln. Grundsätzlich gilt:

Vielfalt fördern

    • Alle Hecken sollten eine dichte Strauchschicht enthalten.
    • Schnellwüchsige und häufige Arten können bevorzugt auf
      den Stock gesetzt werden (z.B. Hasel, Esche, Zitterpappel).
    • Langsam wachsende Arten und Dornensträucher sollten durch
      selteneren Schnitt gefördert werden (z.B. Schwarzdorn, Weißdorn,
      Kreuzdorn, Rosen, Geißblatt, Pfaffenhütchen, Hartriegel).
    • Überwachsene Steinhaufen und Trockenmauern sollen freigestellt werden.
    • Mit Steinen aus angrenzenden Feldern können in der Hecke Steinhaufen
      zur Erhöhung der Strukturvielfalt gebildet werden.
    • Bäume, welche evtl. vorhandene Trockenmauern mit ihren Wurzeln sprengen,
      sollten entfernt werden.

Schonend pflegen

    • Nur abschnittsweise eingreifen. Bei Niederhecken höchstens 1/3 der Hecke
      und nie mehr als 10m am Stück auf den Stock setzen.
    • Selektiv arbeiten: in Hoch- und Baumhecken die schnellwachseneden Sträucher
      und Bäume alle 5 – 15 Jahre auf den Stock setzen. Langsam wachsende arten nicht oder nur schwach schneiden.
    • Kein Abschlagen in der Zeit vom 1. März bis 30. September (§29 Abs. 3 Nat Sch G)
    • Einzelne Bäume (z.B. Eschen, Eichen, Vogelkirschen) und größere Sträucher in
      unregelmäßigen Abständen als „Überhälter“ belassen.
    • Säume sporadisch etwa alle 3 – 5 Jahre mähen, um ihre Verbuschung zu verhindern; Schnittzeit Ende September; möglichst Teilstücke zeitlich versetzt mähen; nicht mulchen, sondern Mähgut abtransportieren.
    • Schlagreisig einige Zeit und bei ausreichendem Platz teilweise auch
      längerfristig im Heckenbereich liegen lassen, später häckseln und kompostieren.
      Falls das Schnittgut verbrannt wird, darauf achten, dass keine Tiere, die Asthaufen schnell besiedeln (wie z.B. Igel, Eidechsen), verbrannt werden!

(zusammengestellt nach ANL GRAUBÜNDEN 2002 und MLR 10-87).



Übergangszone Wald zu Feld

Grundsätzlich ist der Erhalt alter Hecken Neuanpflanzungen vorzuziehen, da zur
Ausbildung einer artenreichen Hecke 150 – 250 Jahre benötigt werden

(KAULE 1986: 267), eine neu angelegte Hecke eine alte also keinesfalls ersetzen kann.

Bei der Neuanpflanzung einer Hecke gilt es folgendes zu beachten:

Flächenwahl:

    • Keine Heckenpflanzungen um jeden Preis! Es gibt durchaus großstrukturierte
      Landschaften, in denen Hecken weder typisch noch sinnvoll sind. So benötigen
      insbesondere zahlreiche Vogelarten große zusammenhängende Gebiete ohne
      Hecken und Baumgruppen, da sie sich in kleinkammrigem Gelände aufgrund
      ihrer großen Fluchtdinstanz durch die Sichtbehinderung verunsichert fühlen.
      (z. B. Großtrappe, Feldlerche). D.h. keine Heckenpflanzungen in Gebieten mit
      vorkommen solcher Arten; hier eignet sich eher die Anlage von Ackerrandstreifen
      und Saumbiotopen bzw. die ökologische Bewirtschaftung der Äcker als Instrument
    • zur Biotopvernetzung.
    • Heckenpflanzungen nur im Einverständnis mit den Flächeneigentümern ,
      im ausreichenden Grenzabstand zu Nachbarflächen.
    • Eine naturnahe, ökologisch wirksame Hecke besteht aus einer mehrreihigen,
      vielschichtigen, artenreichen Baum- und Strauchschicht in Kombination mit
      vorgelagerten Wildstaudensäumen. Dabei wachsen in der Mitte große, hohe,
      lichthungrige Bäume.
      Ein ausreichend breites Heckenprofil besteht daher aus einer 3- bis 5-reihigen
      Gehölzpflanzung mit einem jeweils möglichst mehr als 1m breiten
      Wildstaudensaum, d.h. in der Breite sind ca. 5 – 10m erforderlich.
    • Als optimale Größe für Feldholzinseln gelten 1500 bis 3000 m² .
    • Ungeeignet sind Flächen, die bereits wertvolle Lebensräume schutzwürdiger
      Pflanzen- und Tierarten sind (z.B. Feuchtwiesen, Halbtrockenrasen).
    • Geeignet sind z.B. parallel zur Bewirtschaftungsrichtung verlaufende
      Böschungen und Stufenraine, Feld- oder Grabenraine.
    • Bei Hecken entlang von Wirtschaftswegen in der Flur ist ein Verlauf
      auf der Wegsüdseite am günstigsten, weil der Schatten dann vorwiegend
      auf den Weg fällt.
    • Für die Anlage von Feldholzinseln eignen sich v.a. missgeformte und daher
      schlecht zu bewirtschaftende Grundstücke (sog. Geländespitzen, Geländezwickel).
    • Feldholzinseln sollten von der Siedlung und von stark befahrenen Verkehrstrassen mind. 150m entfernt sein.

(MLR 10-87)

Planung:

    • Heimische Arten und autochthones (lokales) Pflanzgut verwenden! Am besten
      in der Umgebung nachschauen was und in welcher Zusammensetzung dort
      wächst! Orientieren Sie sich bei der Pflanzenartenwahl an der
      Zusammensetzung alter Hecken in der Umgebung des vorgesehenen Standorts!
    • Eine Excel-Tabelle der für Baden-Württemberg geeigneten heimischen Gehölze
      für Pflanzungen in der Flur findet sich am Ende des Abschnitts. Mit den Filtern
      kann hier auch nach Gehölzen für spezielle Standorteigenschaften
      (z.B. schattig, feucht und basisch) gesucht werden.
    • Die Tabelle wurde erstellt nach MLR 10-87: 34f.
    • Standortgerechte Gehölze verwenden (Boden, Feuchte, Besonnung beachten).
    • Baumanteil unter 10% halten!
    • Hoher Anteil von Dornensträuchern anstreben (Weißdorn, Schlehe, Rosen,
      Brombeere)
    • Im Zentrum der Hecke höhere Sträucher und einzelne Bäume, Abstand der
      einzelnen Pflanzen nicht unter 2 x 2 m; Abstand der Bäume untereinander
      mindestens 10m.
    • Im Randbereich niedrigere Sträucher, Abstand nicht unter 1 x 1 m.
    • Ein Pflanzschema hilft bei der Ermittlung der benötigten Pflanzenzahl und
      der ungefähren Pflanzenverteilung.
    • Günstig ist eine Winddurchlässigkeit der Hecke von 40 bis 50%, wobei sich
      viele kleinere Lücken günstiger als wenige große auswirken. Bei dichteren
      Hecken kommt es in einem Abstand, der dem 1- bis 3-fachen der Heckenhöhe
      entspricht, zu starker Wirbelbildung (KAULE 1986)
    • Sträucher der gleichen Art in kleinen Gruppen (3 bis 5 Stück) über mind.
      2 Reihen zusammenpflanzen.
    • Bei Feldholzinseln möglichst buchten- und grenzlinienreiche Ausgestaltu
      ng des Gehölzaußenrandes.
    • An den Außenrändern von Hecken und Feldholzinseln Platz für Wildkrautsamen
      lassen (bei genügend großen Feldholzinseln auch im Innern Flächen mit Gräsern
      und Kräutern vorsehen).

(MLR 10-87)

Pflanzung:

    • In Gebieten mit winterlicher Gefahr von Barfrösten und Austrocknung besser
      im Frühjahr als im Herbst pflanzen.
    • Pflanzenwurzeln vor dem Pflanzen gegen Austrocknung (Sonne, Wind) schützen
      (Einschlagen, abdecken).
    • Pflanzung möglichst unter fachlicher Anleitung (Auslegen der Pflanzen, Wurzel-
      und Triebschnitt, Antreten der Pflanze in der Pflanzgrube, Angießen).
    • Schutz der Pflanzung vor Tieren und Menschen (Zaun).

(MLR 10-87)

Die Anlage von sog. Benjes-Hecken , bei denen Gehölzschnitt wallartig gestapelt wird, um nach dessen Verrottung und dem Einzug von Gehölzdiasporen durch Vögel, zu einer lebenden Strauchhecke zu gelangen, ist nur bedingt empfehlenswert:

    • Eine originäre Benjeshecke benötigt eine sehr lange Entwicklungszeit von ca.
      10 – 15 Jahren. Werden in Ergänzung einzelne Bäume und Sträucher gepflanzt,
      kann die Entwicklungsdauer verkürzt werden.
    • Das Astwerk darf dabei nicht zu dicht abgelagert werden.
    • Die Etablierung einer Hecke erfolgt nur auf niederschlagsreichen Standorten.
    • Für Ergänzungspflanzungen erweist sich ein frisch gepflügter Boden als vorteilhaft.
    • Um Missverständnisse in der Bevölkerung in den ersten Jahren zu vermeiden
      (wilde Mülldeponie o.ä.) sollten erläuternde Schilder angebracht werden.

(zusammengestellt nach HILBIG UND WÜNSCHE 1997 und AKN )

Startpflege:

    • Mindestens in den ersten beiden Sommern nach der Pflanzung die Gehölztriebe
      vor dem Überwuchern durch krautige Pflanzen schützen (Krautwuchs aussicheln
      oder niedertreten).

Extensivgrünland

oder artenreiches Grünland der mäßig trockenen bis mäßig feuchten Standorte

 

1. Einleitung

Je nach Klima- und Bodenverhältnissen und nach Höhenlage haben sich in den letzten Jahrhunderten durch die Bewirtschaftung des Menschen unterschiedliche Wiesentypen herausgebildet.

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Wiesen aufgrund des beschränkten Düngerdargebots im heutigen Sinne „extensiv" genutzt, d.h. mit geringer oder gar keiner Nährstoffzufuhr und ein bis zwei Schnitten jährlich. Heute wird Grünland vielerorts „intensiv", also mit hoher Nährstoffzufuhr und häufiger Nutzungsfrequenz (mehr als drei Schnitte jährlich), genutzt – andernorts wird die landwirtschaftliche Nutzung aufgegeben, sofern es sich um landbaulich problematische Standorte handelt. So kommt es, dass artenreiches Grünland heute selten geworden ist.

2. Bedeutung

Das artenreiche Grünland der mäßig trockenen bis mäßig feuchten

Standorte umfasst im wesentlichen die Glatt- und Goldhaferwiesen.

Glatt- und Goldhaferwiesen besitzen eine wesentlich höhereBestandesdichte (bis 3000 Pflanzenindividuen/m² als intensivbewirtschaftete Wiesen (< 200 Individuen/m²) und eine dreifach höhere Artenzahl an Pflanzen. Bei der Intensivierung dieser Wiesen
verschwinden nach WOIKE (1983) (in BRIEMLE 1992: 89) mit jeder Pflanzenart zugleich 10 Tierarten, die von ihr als Nahrungsquelle abhängig sind. Auf einer unterschiedlich gepflegten trockenen Glatthaferwiese konnten auf einer weniger als 1 ha großen Fläche 560 Tierarten bestimmt werden (aus BRIEMLE 1992: 88ff).

Die artenreichen Wiesen tragen mit ihren jahreszeitlich verschiedenen Blühaspekten wesentlich zur Belebung des Landschaftsbildes bei und sind charakteristische Bestandteile der Kulturlandschaft.
In Baden-Württemberg vorkommende Bestände der Glatthaferwiesen besitzen wegen ihrer Artenausstattung und Ausbildungsmannigfaltigkeit europaweite Bedeutung (HÖLL und BREUNIG 1995: 245).

Außer dem Erhalt der Artenvielfalt dient Extensivgrünland
auch dem Grundwasser- und Gewässerschutz.

Verbreitungsschwerpunkte:

Schwarz-wald

Alpen-vorland

Süd-
west-liche Alb

Schwä-
bische Alb

Mittlere Ober-rhein-
ebene

Ober-rhein-
gebiet

Oden-wald

Schwäb.- Fränk. Wald

Oden-wald

Nasswiese/ Feuchtwiese

X

X

X

X

X

Fettwiese

X

X

X

X

X

Weide

X

X

Kennzeichnende Pflanzenarten:

Glatthafer ( Arrhenaterum elatius ) bzw. in Höhenlagen ab 500 m NN Goldhafer
( Trisetum flavescens ), Wiesen-Pippau ( Crepis biennis )

  • frische bis feuchte Standorte: Kuckucks-Lichtnelke ( Lychnis flos-cuculi ),
    Kohldistel ( Cirsium oleraceum ), Wiesen-Schaumkraut ( Cardamine pratensis )
  • frische Standorte: Wiesen-Glockenblume ( Campanula patula ), Wolliges
    Honiggras ( Holcus lanatus ), Wiesen-/ Wald-Storchschnabel ( Geranium pratense/ sylvaticus ), WiesenFlockenblume ( Centaurea jacea ),
    Margerite ( Chrysanth. leucanth .)
  • frische bis trockene Standorte: Wiesen-Salbei ( Salvia pratensis ),
    Ackerwitwenblume ( Knautia arvensis ), Gewöhnlicher Hornklee
    ( Lotus corniculatus )

 

Häufig vorkommende Tierarten: Heuschrecken, Grillen, Tagfalter, Bienen,
Schwebfliegen, Laufkäfer, Spinnen etc.

Biotopschutz nach §24a NatSchG: Der Biotoptyp ist nicht nach
§24a NatSchG geschützt, im Gegensatz zu den Typen des Biotopgrünlandes.

3. Gefährdung

Extensives Grünland ist im wesentlichen gefährdet durch

  • Intensivierung (stärkere Düngung, hohe Nutzungsfrequenz)
  • Umbruch in Ackerland
  • Nutzungsauflassung

So erfolgte beispielsweise in der Nördlichen Oberrheinniederung zwischen 1940 und 1984 ein Wiesenschwund (auch Streu- undNasswiesen) von nahezu 80% (DILGER & SPÄTH 1988 in HÖLL und BREUNIG 1995: 244). Der Anteil kennartenreicher Glatt- und Goldhaferwiesen am gesamten Grünland beträgt im Mittleren Schwarzwald nach Schätzungen nur noch ca. 20% (KRETSCHMAR 1992 in HÖLL und BREUNIG 1992: 245).

Durch die Biotopkartierung wurden 80% der kartierten Fettwiesen als gefährdet eingestuft (HÖLL und BREUNIG 1995: 245).

4. Erhalt, Pflege und Neuanlage

Da die Artenvielfalt von Extensivgrünland bei Umwandlung von Acker- in Grünland und bei Extensivierung von vormals intensiv genutztem Grünland nur über einen sehr langen Zeitraum hinweg wiederherstellbar ist, hat der Erhalt noch vorhandenen Extensivgrünlands erste Priorität. Am besten geschieht dies durch Fortführung der bisherigen Nutzung.
Wo dies nicht möglich ist, kann eine Fläche auch alternativ gepflegt werden. Als kostengünstige Alternative bietet sich auf vielen Flächen Mulchen statt Mähen an, wobei die Aufwuchsverwertung entfällt. Untersuchungen in den nunmehr seit 25 Jahren laufenden Bracheversuchen Baden-Württembergs zeigen, dass Mulchen - sofern es sich nicht um extrem nasse Standorte handelt – nicht wie bislang angenommen zu einer Nährstoffanreicherung führt, sondern wie das Mähen langfristig eine Aushagerung bei einer leichten Verschiebung des Artenspektrums bewirkt. Eine weitere Alternative zur Nutzung von Extensivwiesen stellt die Beweidung dar. Untersuchungen von WAGNER 2002 beweisen klar, dass es bei einem vernünftigen Weidemanagement nicht zu nennenswerten Artenverschiebungen kommt. Verdeutlicht sei dies an folgendem Bild:



Wiese - Weide (Florian Wagner 2002) Die linke Hälfte der Wiese wird beweidet, die rechte gemäht.

Wesentlich für das Funktionieren der Beweidung stellen sich folgende Punkte dar:

    • Vollständiges Entfernen der Biomasse 1-3 Mal im Jahr
    • Lange Ruhezeiten zwischen den Weidegängen (ca. 2 Monate)
    • Eine angepasste Nährstoffrücklieferung.

In der Praxis heißt das:

    • Weidepflege
    • Wechsel von Mahd und Weide
    • Kurze Fresszeit, lange Ruhezeit
    • Flexibler Nutzungszeitpunkt
    • Rotation

=> Etablierung eines R otierenden M äh- W eide- S ystems (RMWS) (WAGNER 2002). Die Tierart, mit der dieses Weidemanagement durchgeführt ist, ist letztendlich egal.

BRIEMLE (1991) gibt folgende Hinweise zur Nutzung/ Pflege der
unterschiedlichen Grünlandtypen: 

Tab. 1 aus BRIEMLE, EICKHOFF und WOLF 1991: 144-149;
Biotopgrünland, Wirtschaftsgrünland, Brache (pdf)

Ist Extensivgrünland kaum oder gar nicht mehr vorhanden, sollte wenigstens stellenweise intensives in extensives Grünland bzw. Acker in Extensivgrünlandumgewandelt werden.
Die Auswahl von Flächen für eine Grünlandextensivierung sollte unter folgenden Eignungskriterien erfolgen:

    • Sicherung vorhandener wertvoller Flächen aus fachlicher Sicht des Arten- und Biotopschutzes;
    • Erhalt, Extensivierung bzw. Ackerumwandlung in Naturschutzgebieten und flächenhaften Naturdenkmalen, sowie in den durch die Landesbiotopkartierung erfassten, biologisch-ökologisch besonders wertvollen Bereichen, ferner in WSG, Überschwemmungsbereichen und Regenrückhaltebecken.
    • Schaffung bzw. Sicherung großer, zusammenhängender Flächen auch nach tierökologischen Ansprüchen (z.B. Wiesenvögel wie Storch und Großer Brachvogel).
    • Schaffung bzw. Sicherung von Pufferzonen um Schutzgebiete und
    • entlang von Fließgewässern in ehemaligen Wiesenauen.
    • Schaffung bzw. Sicherung von flächigen oder linienhaften Vernetzungsstrukturen.

(MLR-10-87)

Soll der Aufwuchs weiterhin genutzt werden (z.B. zur Heuproduktion), empfiehlt es sich nach BRIEMLE (1991), die Änderung in der Bewirtschaftung nicht abrupt durchzuführen, da sich der Bestand nicht so schnell an die geänderte Bewirtschaftungsweise anpassen kann und es demzufolge z.B. bei einer unmittelbaren Reduktion von 4-5 auf 2 Nutzungen zu einer starken Verschlechterung der Verdaulichkeit des nunmehr überständigen Futters kommt. Darüber hinaus prognostiziert BRIEMLE (1991) an vielen Standorten eine Verkrautung mit nitrophilen Kräutern wie z.B. Ampfer, Giersch und Taubnessel als Folge einer verstärkten Lückenbildung.

Für den Extensivierungsprozess müssen daher in solchen Fällen mehrere Jahre angesetzt werden, damit sich das Grünland in seiner artenmäßigen Zusammensetzung sowohl dem neuen Nutzungsregime als auch dem abnehmenden Nährstoffspiegel des Bodens anpassen kann.
Bei Bedarf sollte eine „geordnete" Bestandesumschichtung durch gezielte Nachsaat von Glatthafer, Goldhafer und Wiesenschwingel unterstützt werden.

Soll Ackerland unmittelbar in Extensivgrünland umgewandelt werden, ist allerdings darauf zu achten, dass über einige Jahre die Schnittfrequenz erfolgt, die der jeweiligen Ansaatmischung entspricht.
Geschieht dies nicht, bleibt der nötige Narbenschluß aus, und dieFlächen verunkrauten gern mit hartnäckigen Wurzelunkräutern (BRIEMLE 1991: 127).

Auf dem Großen Heuberg in Baden-Württemberg herrschen Magerstandorte auf flachgründigen Kalkverwitterungslehmen vor. Hier gedeihen artenreiche Pflanzenbestände mit einem hohen Anteil an Kräutern und Gräsern.
Durch behutsame extensive Bewirtschaftung entstand im Laufe der Jahrhunderte eine vielgestaltige, abwechslungsreiche Landschaft mit zahlreichen geschützten Biotopen, wie Wacholderheiden und ein- biszwei-schnittigen Mähwiesen. Diese artenreichen Wiesen sind die Grundlage für unser Heuberg Aroma Heu.

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